Wem die Religion eine Herzensangelegenheit ist, der liefert sich nicht widerstandslos den Schwankungen der öffentlichen Meinung aus. Zu ernst ist ihm die Aufgabe, das Phänomen der Religion zu verstehen, und zu groß die Sehnsucht, dem Glauben zu folgen. Ob er dabei die Bilder der Moderne bewundern kann oder auf Abstand zu ihnen gehen muss, ist fraglich. Klar ist, dass der geschichtliche Kampf weltanschaulicher Mächte sich in seiner eigenen Brust fortsetzt und die schwankende Seele vor lebenswichtige Entscheidungen stellt. Trost bietet dem Glaubenden dabei die communio sanctorum, mit der er sich in der Pilgerschaft des Lebens verbunden wissen darf. Aber er schaut, wenn er klug ist, auch auf Wissenschaft und Kunst, weil er sich nicht verschließt vor Belehrung und weil es ihn danach drängt, geschichtliche Erklärungen für die eigenen Schwankungen zu bekommen.
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